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Wie aus Band 2 plötzlich Band 3 wurde

Autorenbild: Nicole Hahn
Nicole Hahn
2. Sept.
4 Min. Lesezeit

Manchmal kann man eine Buchreihe noch so schön planen – und dann machen die Figuren einfach etwas ganz anderes daraus. So ähnlich war es bei Inselrauschen.

Als ich den ersten Band fertig geschrieben hatte, ging es für mich erst einmal mit meiner Familie für drei Wochen nach Mali Lošinj. Im Gepäck hatte ich nicht nur Urlaubssachen, sondern natürlich auch schon die nächste Geschichte im Kopf. Denn eigentlich stand für mich fest: Band 2 wartet bereits.

Und tatsächlich hatte ich mit dem Schreiben schon begonnen.


Eigentlich war alles ganz anders geplant

Während ich im Urlaub an der Geschichte schrieb, die ursprünglich einmal Band 2 werden sollte, lag der erste Teil von Inselrauschen gleichzeitig bei meinen Testleserinnen.

Ich schrieb also weiter, bekam nach und nach Rückmeldungen zu Band 1 – und irgendwann hatte ich dieses Gefühl, das wahrscheinlich viele kennen, die Geschichten schreiben:

So funktioniert das nicht.

Nicht, weil mir die neue Geschichte nicht gefiel. Ganz im Gegenteil. Aber je länger ich darüber nachdachte, desto deutlicher wurde mir, dass zwischen diesen beiden Büchern etwas fehlte.

Band 1 konnte für mich nicht einfach enden und danach mit einer völlig neuen Geschichte weitermachen. Lara, Elli und all die anderen waren mir inzwischen viel zu sehr ans Herz gewachsen. Vor allem aber hatte ich das Gefühl, dass ihre Geschichte noch nicht auserzählt war.

"Inselrauschen- Wie ich zwischen Wellen und Wegen ein Zuhause fand" brauchte eine direkte Fortsetzung.

Und damit war mein schöner Plan erst einmal dahin.


Zurück aus dem Urlaub – und zurück an den Anfang

Nach Mali Lošinj setzte ich mich deshalb noch einmal an Band 1.

Ich überarbeitete die Geschichte, änderte Dinge, ergänzte andere und begann gleichzeitig, mir zum ersten Mal einen richtigen Plan für die gesamte Reihe zu machen.

Welche Figuren sollten bleiben? Wessen Geschichte wollte ich noch erzählen?

Und vor allem: Wie konnte aus dem ersten Buch eine Reihe werden, bei der sich die einzelnen Geschichten mit-einander verbinden, ohne dass jeder Band einfach nur dasselbe weitererzählt?

Bei diesen Überlegungen rückte eine Figur immer stärker in den Mittelpunkt:

Elli.

Ihre Geschichte fühlte sich plötzlich wie die logische Fortsetzung an.

Und so entstand ein komplett neuer Band 2.

Aus Laras Geschichte entwickelte sich Ellis Geschichte. Madeira blieb. Die Quinta blieb. Viele vertraute Figuren blieben ebenfalls. Aber der Blickwinkel änderte sich – und mit ihm entwickelte sich eine Geschichte, die ursprünglich überhaupt nicht geplant gewesen war.

Aus dieser Idee wurde schließlich „Inselrauschen – Zwischen Sturm und Herzklopfen“.

Und mein eigentlich geplanter zweiter Band?

Der wanderte erst einmal in die Schublade.


Ein Jahr später hole ich die alte Geschichte wieder heraus

Und genau da sitze ich heute. Fast ein Jahr später.

Vor mir liegen die ersten Kapitel der Geschichte, die ursprünglich Band 2 werden sollte und die nun Band 3 der Inselrauschen-Reihe wird.

Eigentlich könnte man meinen, ich müsste sie jetzt nur noch fertig schreiben. Aber ganz so einfach ist es natürlich nicht.

Denn in der Zwischenzeit ist ziemlich viel passiert.

Band 2 hat die Geschichte der Figuren weitergeführt. Beziehungen haben sich verändert, Entscheidungen wurden getroffen und manche Handlungsstränge, die ich in meinem ursprünglichen Entwurf noch eingeplant hatte, sind inzwischen längst erzählt.

Mein alter Entwurf passt also nicht mehr eins zu eins zu der Reihe, die daraus geworden ist.

Und deshalb passiert gerade etwas ziemlich Spannendes:

Ich schreibe meine eigene Geschichte noch einmal neu.

Band 3 muss sich jetzt seinen Platz suchen

Die Grundidee der ursprünglich geplanten Geschichte ist geblieben. Auch einige Szenen und Figuren möchte ich unbedingt behalten. Aber rundherum verändert sich gerade einiges.

Denn Band 3 soll sich nicht wie eine Geschichte anfühlen, die irgendwann einmal geschrieben und anschließend irgendwie an die Reihe angehängt wurde.

Sie soll dazugehören.

Die Entwicklungen aus Band 2 müssen berücksichtigt werden. Die bekannten Figuren sollen dort stehen, wo wir sie zuletzt verlassen haben. Gleichzeitig beginnt eine neue Geschichte, die ihren eigenen Platz innerhalb der Reihe bekommen soll.

Und genau das macht das Schreiben gerade gleichzeitig kompliziert und unglaublich spannend.

Manchmal sitze ich vor einer Szene und denke:

Das funktioniert so nicht mehr.

Dann ändere ich sie.

Und plötzlich entsteht daraus etwas, das viel besser zu der heutigen Inselrauschen-Welt passt als meine ursprüngliche Idee.

Vielleicht war genau dieser Umweg nötig

Wenn ich heute zurückblicke, finde ich es ziemlich verrückt, dass der jetzige Band 3 eigentlich einmal Band 2 werden sollte.

Hätte ich damals einfach meinen ursprünglichen Plan durchgezogen, würde es Zwischen Sturm und Herzklopfen vermutlich gar nicht geben. Ellis Geschichte wäre vielleicht nur am Rande weitererzählt worden und die ganze Reihe hätte sich vollkommen anders entwickelt.

Stattdessen wurden aus einer geplanten Fortsetzung plötzlich zwei Bücher. Und genau das liebe ich inzwischen am Schreiben. Man kann planen, Kapitel sortieren und sich Handlungsstränge überlegen – aber manchmal entwickelt eine Geschichte ihren ganz eigenen Kopf.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich gerade so gespannt darauf bin, was aus Band 3 am Ende wirklich wird.

Denn eines habe ich durch Inselrauschen definitiv gelernt:

Nur weil ich weiß, wie eine Geschichte anfangen soll, heißt das noch lange nicht, dass sie sich an meinen Plan hält. Vorallem wenn meine Testleserinnen am Schluss noch einmal die perfekte Idee dazu haben und ich deshalb wieder Kapitel umschreibe.

Und wer weiß?

Vielleicht ist genau das am Ende das Schönste daran, selbst noch nicht zu wissen, wie die Inselrauschen-Reihe wirklich ausgehen wird.

Bleibt gespannt!


 
 
 

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